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Gedichte zum nachdenken

Weil ich gehen muss

flüstert eine Stimme
der Krug leert sich
unaufhaltsam
diffuse Lichter zeigen
auf die Tunnelöffnung
der Blick zurück mahnt
alles zu richten
Bilanz zu ziehen
Rechnungen auszugleichen
Spuren zu legen
den Keller zu räumen
die Zeit drängt zur Eile
in Liebe möchte ich jetzt
alles Lebende umfassen
Traurigkeit mit Firnis überziehen
solange mein Herz in Leidenschaft glüht
wird nichts auf ewig versinken
mein letzter Atemzug
wird Liebe heißen


 

 

Bedeckt vom Meer

Der Kreis ist vollzogen
ein letztes Signal
sacht wiegen die Wellen
kein Schatten
wie auf Erden
hält sich
im Wasserspiegel
Tränen und Trost
fließender Wandel
und ein Lösen
Wind leiht Federschwingen
findest im Meer letztes Ziel
mein Erinnern
bleibt
Anker

     für meine Eltern und meine Schwester Jutta


 

Flügelgetragen

gäbe es ein dOrt
hinter den Wolken
würde in Würde
Abschiednehmen
leicht sein
denke ich
entfernt von dir

vorausgeeilt
an diesen Ort
im geDenken
erdverbunden



 

  Ich war doch noch so klein

Als ich ein Kind mal war
Da hatte ich in mir
Kein Bild von Dir
Ich sollte schnell die Große sein
Und war doch noch so klein

Du hast mir früh schon beigebracht
Wie man das Fläschchen richtig macht
Wie ich das Baby tragen kann
Das lernte ich sodann
Ich sollte schnell die Große sein
Und war doch noch ganz klein

Deine Sorgen trug ich stumm
Oft in meiner Seel herum
Ich war schuld an deiner Qual
Doch hatt' ich nie die Wahl
Ich wollte nicht die Große sein
Ich war doch noch so klein

Wenn ich nicht so wie Du gewollt
Dann hast Du stets mit mir gegrollt
Ich hab gebuhlt um Deine Gunst
Es war schwer, ja eine Kunst
Ich war doch auch noch klein
Wollt´ Deine Liebste sein

Wenn ihr nicht wärt, mir ging es gut
die Mutter sprach´s in ihrer Wut
Ich war doch noch so klein
und wollte schnell erwachsen sein

 


 

Klippenspringer

 

In düsterer Nacht durchs Labyrinth gelaufen

Zeugen Narben, bereits verkrustet auf der Haut

Blutendes Herz kurz vor dem Ersaufen

Verzweifelt aus den Augen geschaut

Es gab nie einen Halt im Dunkel der Nacht

Nach Jahren der Finsternis bin ich erwacht

 

Dämmerung schlich sich an, von irgendwo her

Erkannte Klippen, spitz wie Pfeile auf mich gerichtet

Nebel bedeckte das Land wüst, so untragbar schwer

Gespenstische Stille mich drohend belauschte

Nicht eine Sekunde schaute ich ins Elend zurück

Brachte nur das Meer die Rettung ins Glück?

 

Erlösung verbarg sich nicht im goldenen Gewand

Sollte es gelingen dem Grund die Perle abzuringen?

Nichts gab`s was mich mit der Vergangenheit verband

Nur Vorfahren, die auch dafür ins Wasser gingen

Als perlentauchende Klippenspringer waren sie bekannt

Mutter hat es immer ein - elendes Leben - genannt

 

So erzählte sie die Legende - von Funden im Meer

Ich wiege mein junges Leben auf - gibt es eine Wiederkehr?

Wogenrauschen aus dem Höllenschlund wie ein Kriegerheer

Zerbersten am Strand, lösen sich auf, kommen wieder her

Ein Ozean voller Perlen, gefüllt in Schatztruhen

Ich schaue nach oben, dorthin wo die Seelen der Ahnen ruhen

 

Ein letztes Gebet will ich am Abgrund sprechen

Stille Kraft gibt mir erwartungsfroh der erste Sonnenschein

Dann der Sprung, bevor sich die Wellen an den Klippen brechen

Eingetaucht ins bizarre Leben der Tiefen – ist`s wie Glorienschein

Versinken im Rausch - ohne den Boden der Welt zu spüren

Endlos zu schweben in Sphären, öffnet unverschlossene Türen

 

In diesem Dasein spüre ich neue Dimensionen, die berauschen

Inmitten einer neuen Welt die alle Sinne behutsam überflutet

In einem Orchester spielen klingende Melodien zum Lauschen

Bin Nahe dem Fische – bin eins mit ihm - hätte es nie vermutet

Paradies - geschaffen in einer fantastischen Wasserwelt

Wahres Leben, das durch Millionen von Tropfen zusammenhält

 

Leben, leben will ich nun mit aller Kraft die in mir tobt

Erzählen von dem Wunder der Natur, das nicht für uns erschaffen

Die Meeresmuscheln, die ich fand voller Perlen - Gott lob

Bin nicht mehr bereit für Ruhmesehre, sie an den Tag zuschaffen

Wie könnte ich dieses Mysterium um ein solches Werk berauben

Perlentaucher bergen in sich ihren ureigenen Glauben

 

REICHTUM  LIEGT IM  HERZEN

WIE DIE PERLE IN DER MUSCHEL

 


 

Kurzsichtige Menschen

 

Oh wie furchtbar

der Gedanke -

in zehn Jahren gibt es keine Schranke

und keine Hürde für die Würde

die Masse Mensch ist nummeriert

 

Oh wie unheilvoll

ist die Vision -

in einhundert Jahren verdoppelt sich die Zivilisation

Dann gibt es kein Erbarmen

für die Armen

 

Oh welch ein Horror

welch ein Grauen -

in tausend Jahren sind wir froh

wenn irgend wo steht noch ein Baum

nur so

Was schon ist seit vielen Jahren

will der Mensch dann doch bewahren

 

Oh weh die größte Katastrophe

in hunderttausend Jahren

in der Zeitung steht es geschrieben

von der schönen Welt die wir so lieben

ist dann nichts mehr geblieben

 

Im Nachbarhaus starb heute ein Kind

krepierte fünf Jahre schon und niemand

- niemand hat etwas gesehen

 

für Lea-Sophie und alle vernachlässigten Kinder

im Dezember 2007

 


  

mein schutzschild

lege nicht stählerne schatten
auf mein gesicht
füttere nicht meine seele
mit vergifteter trauer
meine kraft reicht dann
nur zum abzuschirmen

schaust du in meine augen
findest du sonnenschein
nimm dir soviel du brauchst
fasse meine hände
so voller lebenskraft
komm mit mir
zum leuchtturm

gehen
musst DU wollen


ein schimmer hoffnung bleibt 

dein boot gekentert

beginnt zu sinken

spürst bedrohung

rau die see

der körper schmerzt

dein blick - geleert

geknebelt vom stoff

hörst getöse, wellen schlagen

raunt nun feuerwasser blau

dir keine warnung zu?


halte nicht am strohhalm fest

er birgt gefahr zu brechen

springe jetzt!

mit letzter kraft und kämpfe

kämpfe ums leben

keiner kann dich retten

nur du selbst allein

noch halten dich geister

freunde hoffen

du schaffst es - endlich

endlich trocken an land

zu geben ihnen

hand und herz


März 2005


 

 

 

erschöpft

tausend schritte
nie erreicht
lahm geworden

tausend versuche
quallen gegriffen
mund verbrannt

tausend worte
nicht erwidert
davon geschlichen

tausend tränen
alleine geweint
weg gewischt

zu spät
für uns


 

 

Familiendrama

Gut verschleiert ist so mancher Seelenkummer

dornige Last trägt dein Gefährte oft versteckt

nicht aus Bosheit wird er langsam stummer

Sprachlosigkeit ist’s die ihn niederstreckt

 

Hilflos suchend steht er schwer beladen

legte sich gern bei dir nieder um auszuruhen 

wünscht, er müsste nicht im Kummer baden

trägt zulange schon an seinen Büßerschuhen

 

Längst verloren ging die verlässliche Mitte

unbekümmert vorher, ohne dieses Geheimnis

wie gerne schaffte er diese wenigen Schritte

denkt du würdest verstehen ohne Verdammnis

 

Nicht er ist Frevler nur ein Schaf aus der Herde

suchte im Meer der Tränen vergebens die Wahrheit

die Quelle liegt schwammig in versumpfter Erde

von Treu und Glaube zerfleischt … in Zerrissenheit

 

Hilflos entkräftet sitzt er außerhalb der Familienbande

den Untergang von Sodom und Gomorra vor Augen

doch fühlte er sich als Diener zum Richten außerstande

im Kriegsgetöse Hilferufe, wem konnte er gänzlich glauben?

 

Bevor er verstand … verriegelt waren alle offenen Pforten

Die Münder verschlossen, die Rücken auch ihm zugedreht 

So läuft er nun vereinsamt durch verflossene Zeiten

Gefangen von Geistern hofft er dass der Alptraum vergeht

 




 

Mensch sein

Mensch bin ich

Mit Schatten und Licht

Mit Wärme und Kälte

Mit Kopf und Herz

Mit Höhen und Tiefen

Ich bin ICH

Alles und Nichts

Im Leben bei mir

 


 

Menschlichkeit  

Der Mensch braucht nicht viel zum Glücklich sein

Ein wenig Nähe um zu spüren, er ist nicht allein

Ein gutes Wort in trostloser Zeit

Keine Hochnäsigkeit

Der Mensch kann wieder Geradegehen

Lassen wir ihn nicht am Rande stehen

Zeigen wir ihm dass er Beachtung verdient

Erst recht wenn sein Äußeres restlos vermint

Der Mensch will mit klaren Augen sehen

Wir dürfen nicht vorübergehen

An Wunden die er uns doch zeigt

Weil er gedemütigt sich neigt

Weil wir Menschlichkeit verspüren

Darf es mich zu Tränen rühren

Sehe ich tote Seelen lautlos schleichen

Kann  nicht von ihrer Seite weichen

Geht es mir auch noch so nah ans Herz

Dieser Mensch verspürt noch Schmerz

Werde ich mit dieser Seele sprechen

Versuchen seine Einsamkeit zu durchbrechen

 


 

 

 Sage nie, NIE

 

 Bist du auch alt

Fühlst dich ganz weise

Sage niemals NIE

Nicht mal ganz leise

Schau ins helle Licht

Sieh wie der Tag anbricht

Ist es nicht ein Gedicht

Mache ein nettes Gesicht

Glaube an das Gute

Ist dir auch zum Weinen zu mute

Hörst Du das Kinderlachen?

Sie sind's die Hoffnung machen

 


  

 

 Geschwisterlich gelebt

Könnte ich für einen Augenblick der Zeit enteilen

Würde so gerne in meine Kinderzeit verweilen

Als wir freudig noch unsere Namen riefen

Gemeinsam durch Regen und Sonne liefen

Als wir noch jeden Bonbon miteinander geteilt

Wo ist das Band dieser schönen Zeit nur hingeeilt?

Was bleibt sind Fragen

Und ein dumpfes Unbehagen

 


 

  

Die Harfe spielt eine keltische Weise

 

Komm fasse mich an die Hand

Ich nehme dich mit in mein Land

Du begreifst das Farben Klarheit schaffen

Spürst Gott hat die Welt erschaffen

 

Lass uns hören das fröhliche Lachen

Damit wir tausend verrückte Dinge machen

Hier kannst du die Freiheit verspüren

Wir wollen uns in Demut verlieren

 

Mein Land ist ein unerschöpflich sprudelnder Quell

Die Nacht scheint hier dunkler, der Tag immer hell

Der Horizont spielt mit deinem Sinn

Zeitvergessen fühlst du in der Weite den Gewinn

 

Sitzen wir stumm am Meeresstrand

Schauen hinaus über den kargen Felsenrand

Was die Augen nicht erfassen

Hier sind wir ruhig und gelassen

 

Morgens der Nebel mit der Erde verschwimmt

Dich der Duft der Welt gefangen nimmst

Keltische Weisen erklingen im Spiel der Harfe

Tanzt dein eigenes Ich wie im Traumesschlafe

 

Die Wärme der Tage sanft streichelt sie dein Gemüt

Du freust dich wie alles wächst und erblüht

Die Regentropfen hüpfen von Stein zu Stein

Hier merkst du das Nass ist der Pflanze ihr Wein

Du denkst an alte Märchen und Sagen

Stellst dir vor das Wolken dich hinübertragen

Ich wünscht uns Flügel, würde es mit dir wagen

Hier bist du Mensch in allen Lebenslagen

 

Alte Burgen erzählen von vergangener Zeit

Hier schläft die Ruhe in der Abgeschiedenheit

Sie macht unser Innerstes so sorgenfrei

Ist es wie zu Kinderzeiten ein Jubelschrei

 

In der Abendsonne gehen wir Hand in Hand

Spazieren durch klare Luft im Dünensand

Wir wünschen uns von hier nie mehr fort

Denn meine Insel ist ein verwunschener Ort

 

Komm ich nehme dich an die Hand

Ferne, Nähe das ist unser Irland

Hier möchte ich mit dir von neuem beginnen

Träume würden an Wahrhaftigkeit gewinnen

 


 

Wirf du den ersten Stein

Sprach sie nach ihrer Beichte

Tuschelt nur hinter meinem Rücken

Grenzt mich aus

Zündet den Scheiterhaufen an

Ein Urteil habt ihr längst gefällt

 

Wie wahr

Ich lebte nie nach EURER Moral

Sünde

Nennt ihr mein Verhalten

Ihr Richter

Wollt ihr meine Henker sein?

Wirf du den ersten Stein.

Ich knie nicht nieder

Bitte nicht um Vergebung,

Für Liebe, die ist rein

Wirf du den ersten Stein

 


 

Herbstmorgen

Kraniche ziehen der Morgenröte entgegen
Der Herbst bricht die letzten Lilien
Er kommt auch zu ihr
Flüsternd den Blick zum Himmel gerichtet
Sendet sie einen Gruß

Gedanken schweben, Pusteblumen im Wind
Ohne Wehmut trägt sie das Gestrige zu Grabe

Dankbarkeit für Momente des Glücks
Strahlende Augen voll kindlicher Freude
Obwohl die Jugend weit hinter ihr liegt

Sie fand ihren Weg, findet in sich
Die Kraft ihn weiter zu gehen
Betritt den Garten der voll ist
Getränkt vom Morgentau
Wie dieses Land fühlt sie sich

Gestärkt vom Kampf des Lebens
Gezeichnet von den Jahren, doch
Sie selbst geblieben, schaut in ihr Gesicht
Sieht Narben der Vergangenheit
Güte lässt Schwächen im milden Licht erscheinen

Sie atmet die klare Luft spürt
Der Herbst hat seinen eigenen betörenden Duft
Die Kraniche ziehen der Morgenröte entgegen
Sie bleibt lächelnd 


 

 

Danke

Danke für den einen Tag

an dem das Licht im neuen Glanz erstrahlte

an dem ich Wolken rosarot bemalte

 

Danke für die Stunde

In der ich nicht spürte die frische Wunde

In der ich unbeschwert durch Straßen ging

 

Danke für die Minute

In der du sagtest „Alles Gute“

In der ein Lächeln über meine Augen huschte

 

Danke für die Sekunde

manchmal ist sie wichtig und gibt Kunde

dass ein Mensch zum anderen gehört

 


Die alte Eichenallee

Ein Spiel aus Licht und Schatten
Den Vers aufgesagt von Lütt Matten
Ein grünes Dach über unserm Kinderkopf
Mit wippendem Schritt, geflochtenem Zopf
Marschierten über Kopfsteinpflaster
Es war absolut kein schweres Laster

Schützte uns die Allee aus alten Eichen
Mussten selten einem Fuhrwerk weichen
Kam plötzlich mit Regen ein Donnerwetter
Ergoss er sich hauptsächlich auf die Blätter
Dann krachte es fürchterlich in den Zweigen
Kein Grund uns ängstlich anzuschweigen

Erfanden schauderhafte Gruselgeschichten
Von hässlichen Zwergen und Bösewichten
Bis wir kamen an den ausgehöhlten Baum
War er Geheimversteck und Lagerraum
Dort legten wir die Pudelmützen in den Bau
Fanden uns in der Tat pfiffig und superschlau

Kamen nach Hause ganz brav und bemützt
Hat uns die eichenbegrünte Allee geschützt
Die Eichen stehen heute noch an diesem Ort
Bleiben treue Begleiter, Schutzdach und Hort

I. Pagel März 2009

 

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