Klippenspringer
In düsterer Nacht durchs Labyrinth gelaufen
Zeugen Narben, bereits verkrustet auf der Haut
Blutendes Herz kurz vor dem Ersaufen
Verzweifelt aus den Augen geschaut
Es gab nie einen Halt im Dunkel der Nacht
Nach Jahren der Finsternis bin ich erwacht
Dämmerung schlich sich an, von irgendwo her
Erkannte Klippen, spitz wie Pfeile auf mich gerichtet
Nebel bedeckte das Land wüst, so untragbar schwer
Gespenstische Stille mich drohend belauschte
Nicht eine Sekunde schaute ich ins Elend zurück
Brachte nur das Meer die Rettung ins Glück?
Erlösung verbarg sich nicht im goldenen Gewand
Sollte es gelingen dem Grund die Perle abzuringen?
Nichts gab`s was mich mit der Vergangenheit verband
Nur Vorfahren, die auch dafür ins Wasser gingen
Als perlentauchende Klippenspringer waren sie bekannt
Mutter hat es immer ein - elendes Leben - genannt
So erzählte sie die Legende - von Funden im Meer
Ich wiege mein junges Leben auf - gibt es eine Wiederkehr?
Wogenrauschen aus dem Höllenschlund wie ein Kriegerheer
Zerbersten am Strand, lösen sich auf, kommen wieder her
Ein Ozean voller Perlen, gefüllt in Schatztruhen
Ich schaue nach oben, dorthin wo die Seelen der Ahnen ruhen
Ein letztes Gebet will ich am Abgrund sprechen
Stille Kraft gibt mir erwartungsfroh der erste Sonnenschein
Dann der Sprung, bevor sich die Wellen an den Klippen brechen
Eingetaucht ins bizarre Leben der Tiefen – ist`s wie Glorienschein
Versinken im Rausch - ohne den Boden der Welt zu spüren
Endlos zu schweben in Sphären, öffnet unverschlossene Türen
In diesem Dasein spüre ich neue Dimensionen, die berauschen
Inmitten einer neuen Welt die alle Sinne behutsam überflutet
In einem Orchester spielen klingende Melodien zum Lauschen
Bin Nahe dem Fische – bin eins mit ihm - hätte es nie vermutet
Paradies - geschaffen in einer fantastischen Wasserwelt
Wahres Leben, das durch Millionen von Tropfen zusammenhält
Leben, leben will ich nun mit aller Kraft die in mir tobt
Erzählen von dem Wunder der Natur, das nicht für uns erschaffen
Die Meeresmuscheln, die ich fand voller Perlen - Gott lob
Bin nicht mehr bereit für Ruhmesehre, sie an den Tag zuschaffen
Wie könnte ich dieses Mysterium um ein solches Werk berauben
Perlentaucher bergen in sich ihren ureigenen Glauben
REICHTUM LIEGT IM HERZEN
WIE DIE PERLE IN DER MUSCHEL

Kurzsichtige Menschen
Oh wie furchtbar
der Gedanke -
in zehn Jahren gibt es keine Schranke
und keine Hürde für die Würde
die Masse Mensch ist nummeriert
Oh wie unheilvoll
ist die Vision -
in einhundert Jahren verdoppelt sich die Zivilisation
Dann gibt es kein Erbarmen
für die Armen
Oh welch ein Horror
welch ein Grauen -
in tausend Jahren sind wir froh
wenn irgend wo steht noch ein Baum
nur so
Was schon ist seit vielen Jahren
will der Mensch dann doch bewahren
Oh weh die größte Katastrophe
in hunderttausend Jahren
in der Zeitung steht es geschrieben
von der schönen Welt die wir so lieben
ist dann nichts mehr geblieben
Im Nachbarhaus starb heute ein Kind
krepierte fünf Jahre schon und niemand
- niemand hat etwas gesehen
für Lea-Sophie und alle vernachlässigten Kinder
im Dezember 2007
mein schutzschild
lege nicht stählerne schatten
auf mein gesicht
füttere nicht meine seele
mit vergifteter trauer
meine kraft reicht dann
nur zum abzuschirmen
schaust du in meine augen
findest du sonnenschein
nimm dir soviel du brauchst
fasse meine hände
so voller lebenskraft
komm mit mir
zum leuchtturm
gehen
musst DU wollen
ein schimmer hoffnung bleibt
dein boot gekentert
beginnt zu sinken
spürst bedrohung
rau die see
der körper schmerzt
dein blick - geleert
geknebelt vom stoff
hörst getöse, wellen schlagen
raunt nun feuerwasser blau
dir keine warnung zu?
halte nicht am strohhalm fest
er birgt gefahr zu brechen
springe jetzt!
mit letzter kraft und kämpfe
kämpfe ums leben
keiner kann dich retten
nur du selbst allein
noch halten dich geister
freunde hoffen
du schaffst es - endlich
endlich trocken an land
zu geben ihnen
hand und herz
März 2005

erschöpft
tausend schritte
nie erreicht
lahm geworden
tausend versuche
quallen gegriffen
mund verbrannt
tausend worte
nicht erwidert
davon geschlichen
tausend tränen
alleine geweint
weg gewischt
zu spät
für uns

Familiendrama
Gut verschleiert ist so mancher Seelenkummer
dornige Last trägt dein Gefährte oft versteckt
nicht aus Bosheit wird er langsam stummer
Sprachlosigkeit ist’s die ihn niederstreckt
Hilflos suchend steht er schwer beladen
legte sich gern bei dir nieder um auszuruhen
wünscht, er müsste nicht im Kummer baden
trägt zulange schon an seinen Büßerschuhen
Längst verloren ging die verlässliche Mitte
unbekümmert vorher, ohne dieses Geheimnis
wie gerne schaffte er diese wenigen Schritte
denkt du würdest verstehen ohne Verdammnis
Nicht er ist Frevler nur ein Schaf aus der Herde
suchte im Meer der Tränen vergebens die Wahrheit
die Quelle liegt schwammig in versumpfter Erde
von Treu und Glaube zerfleischt … in Zerrissenheit
Hilflos entkräftet sitzt er außerhalb der Familienbande
den Untergang von Sodom und Gomorra vor Augen
doch fühlte er sich als Diener zum Richten außerstande
im Kriegsgetöse Hilferufe, wem konnte er gänzlich glauben?
Bevor er verstand … verriegelt waren alle offenen Pforten
Die Münder verschlossen, die Rücken auch ihm zugedreht
So läuft er nun vereinsamt durch verflossene Zeiten
Gefangen von Geistern hofft er dass der Alptraum vergeht

Mensch sein
Mensch bin ich
Mit Schatten und Licht
Mit Wärme und Kälte
Mit Kopf und Herz
Mit Höhen und Tiefen
Ich bin ICH
Alles und Nichts
Im Leben bei mir

Menschlichkeit
Der Mensch braucht nicht viel zum Glücklich sein
Ein wenig Nähe um zu spüren, er ist nicht allein
Ein gutes Wort in trostloser Zeit
Keine Hochnäsigkeit
Der Mensch kann wieder Geradegehen
Lassen wir ihn nicht am Rande stehen
Zeigen wir ihm dass er Beachtung verdient
Erst recht wenn sein Äußeres restlos vermint
Der Mensch will mit klaren Augen sehen
Wir dürfen nicht vorübergehen
An Wunden die er uns doch zeigt
Weil er gedemütigt sich neigt
Weil wir Menschlichkeit verspüren
Darf es mich zu Tränen rühren
Sehe ich tote Seelen lautlos schleichen
Kann nicht von ihrer Seite weichen
Geht es mir auch noch so nah ans Herz
Dieser Mensch verspürt noch Schmerz
Werde ich mit dieser Seele sprechen
Versuchen seine Einsamkeit zu durchbrechen

Sage nie, NIE
Bist du auch alt
Fühlst dich ganz weise
Sage niemals NIE
Nicht mal ganz leise
Schau ins helle Licht
Sieh wie der Tag anbricht
Ist es nicht ein Gedicht
Mache ein nettes Gesicht
Glaube an das Gute
Ist dir auch zum Weinen zu mute
Hörst Du das Kinderlachen?
Sie sind's die Hoffnung machen
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Geschwisterlich gelebt
Könnte ich für einen Augenblick der Zeit enteilen
Würde so gerne in meine Kinderzeit verweilen
Als wir freudig noch unsere Namen riefen
Gemeinsam durch Regen und Sonne liefen
Als wir noch jeden Bonbon miteinander geteilt
Wo ist das Band dieser schönen Zeit nur hingeeilt?
Was bleibt sind Fragen
Und ein dumpfes Unbehagen

Die Harfe spielt eine keltische Weise
Komm fasse mich an die Hand
Ich nehme dich mit in mein Land
Du begreifst das Farben Klarheit schaffen
Spürst Gott hat die Welt erschaffen
Lass uns hören das fröhliche Lachen
Damit wir tausend verrückte Dinge machen
Hier kannst du die Freiheit verspüren
Wir wollen uns in Demut verlieren
Mein Land ist ein unerschöpflich sprudelnder Quell
Die Nacht scheint hier dunkler, der Tag immer hell
Der Horizont spielt mit deinem Sinn
Zeitvergessen fühlst du in der Weite den Gewinn
Sitzen wir stumm am Meeresstrand
Schauen hinaus über den kargen Felsenrand
Was die Augen nicht erfassen
Hier sind wir ruhig und gelassen
Morgens der Nebel mit der Erde verschwimmt
Dich der Duft der Welt gefangen nimmst
Keltische Weisen erklingen im Spiel der Harfe
Tanzt dein eigenes Ich wie im Traumesschlafe
Die Wärme der Tage sanft streichelt sie dein Gemüt
Du freust dich wie alles wächst und erblüht
Die Regentropfen hüpfen von Stein zu Stein
Hier merkst du das Nass ist der Pflanze ihr Wein
Du denkst an alte Märchen und Sagen
Stellst dir vor das Wolken dich hinübertragen
Ich wünscht uns Flügel, würde es mit dir wagen
Hier bist du Mensch in allen Lebenslagen
Alte Burgen erzählen von vergangener Zeit
Hier schläft die Ruhe in der Abgeschiedenheit
Sie macht unser Innerstes so sorgenfrei
Ist es wie zu Kinderzeiten ein Jubelschrei
In der Abendsonne gehen wir Hand in Hand
Spazieren durch klare Luft im Dünensand
Wir wünschen uns von hier nie mehr fort
Denn meine Insel ist ein verwunschener Ort
Komm ich nehme dich an die Hand
Ferne, Nähe das ist unser Irland
Hier möchte ich mit dir von neuem beginnen
Träume würden an Wahrhaftigkeit gewinnen

Wirf du den ersten Stein
Sprach sie nach ihrer Beichte
Tuschelt nur hinter meinem Rücken
Grenzt mich aus
Zündet den Scheiterhaufen an
Ein Urteil habt ihr längst gefällt
Wie wahr
Ich lebte nie nach EURER Moral
Sünde
Nennt ihr mein Verhalten
Ihr Richter
Wollt ihr meine Henker sein?
Wirf du den ersten Stein.
Ich knie nicht nieder
Bitte nicht um Vergebung,
Für Liebe, die ist rein
Wirf du den ersten Stein

Herbstmorgen
Kraniche ziehen der Morgenröte entgegen
Der Herbst bricht die letzten Lilien
Er kommt auch zu ihr
Flüsternd den Blick zum Himmel gerichtet
Sendet sie einen Gruß
Gedanken schweben, Pusteblumen im Wind
Ohne Wehmut trägt sie das Gestrige zu Grabe
Dankbarkeit für Momente des Glücks
Strahlende Augen voll kindlicher Freude
Obwohl die Jugend weit hinter ihr liegt
Sie fand ihren Weg, findet in sich
Die Kraft ihn weiter zu gehen
Betritt den Garten der voll ist
Getränkt vom Morgentau
Wie dieses Land fühlt sie sich
Gestärkt vom Kampf des Lebens
Gezeichnet von den Jahren, doch
Sie selbst geblieben, schaut in ihr Gesicht
Sieht Narben der Vergangenheit
Güte lässt Schwächen im milden Licht erscheinen
Sie atmet die klare Luft spürt
Der Herbst hat seinen eigenen betörenden Duft
Die Kraniche ziehen der Morgenröte entgegen
Sie bleibt lächelnd
Danke
Danke für den einen Tag
an dem das Licht im neuen Glanz erstrahlte
an dem ich Wolken rosarot bemalte
Danke für die Stunde
In der ich nicht spürte die frische Wunde
In der ich unbeschwert durch Straßen ging
Danke für die Minute
In der du sagtest „Alles Gute“
In der ein Lächeln über meine Augen huschte
Danke für die Sekunde
manchmal ist sie wichtig und gibt Kunde
dass ein Mensch zum anderen gehört

Die alte Eichenallee
Ein Spiel aus Licht und Schatten
Den Vers aufgesagt von Lütt Matten
Ein grünes Dach über unserm Kinderkopf
Mit wippendem Schritt, geflochtenem Zopf
Marschierten über Kopfsteinpflaster
Es war absolut kein schweres Laster
Schützte uns die Allee aus alten Eichen
Mussten selten einem Fuhrwerk weichen
Kam plötzlich mit Regen ein Donnerwetter
Ergoss er sich hauptsächlich auf die Blätter
Dann krachte es fürchterlich in den Zweigen
Kein Grund uns ängstlich anzuschweigen
Erfanden schauderhafte Gruselgeschichten
Von hässlichen Zwergen und Bösewichten
Bis wir kamen an den ausgehöhlten Baum
War er Geheimversteck und Lagerraum
Dort legten wir die Pudelmützen in den Bau
Fanden uns in der Tat pfiffig und superschlau
Kamen nach Hause ganz brav und bemützt
Hat uns die eichenbegrünte Allee geschützt
Die Eichen stehen heute noch an diesem Ort
Bleiben treue Begleiter, Schutzdach und Hort
I. Pagel März 2009